Mensch und Maschine

21. November 2010

Die alten Griechen machten zwischen Kunst  und Handwerk keinen Unterschied. Beides entstand gleichermaßen durch die Benutzung ihrer Hände. Dann erfand der Mensch die Dampfmaschine und auf einmal konnte er  physische Kraft auslagern und ließ den Pflug von einem Traktor ziehen, statt sich selber abmühen zu müssen. Kaum einer würde einem solchen Koloss aus Stahl irgendein Empfinden für Kunst oder die Fähigkeit diese zu erstellen, beschreiben und zu bewundern zusprechen. Einen Schritt weiter und der Mensch konnte Prozesse auslagern, einfache Arbeiten konnten automatisiert werden, all das durch die Verwendung von Computern. Wie in den Geisterhallen von BMW, sind sie heute in der Lage Schrauben einzudrehen und Karosserien zu schweißen.  Der Trend zum Autofactum hat erst angefangen und wird kein Stoppen kennen. Trotzdem, es bleiben geistlose Maschinen, auch wenn sie inzwischen ziemlich gut Schach spielen. Wobei man eigentlich Schach rechnen können sagen müsste.

Nun, kann man weiter denken und dann wird es sehr schnell, sehr kompliziert. Die Maschine könnte bald nicht mehr so dumm dastehen, wie sie es heute unbestritten noch tut. Viele Wissenschaftler weltweit haben sich zum Ziel gemacht Maschinen Intellekt beizubringen oder gar den Menschen nachzubauen. Die Vorreiter in dieser Disziplin können ihre mechanischen Schöpfungen schon Kaffeekochen oder das Treppenlaufen beibringen. Sie können Bälle fangen, sie können “lernen” und sich autonom verhalten. Wie weit kann man dieses Spiel treiben?

Was macht einen Menschen aus, was macht ihn zu dem was er ist?  Und bleibt ein Mensch Mensch, wenn man ihm Technik verpflanzt? Brillenträger sind Menschen, Menschen mit mechanischen Handprothesen sind Menschen, und auch die ersten mechanischen Herzen lassen den Mensch Mensch bleiben. Irgendwann wird es Speicherchips fürs Gehirn geben und man kann dieses Bild beliebig weiter zeichnen, oder nicht? Kann man den Geist eines  Menschen “downloaden” und eine Sicherheitskopie anfertigen oder in einen neuen Körper kopieren? Und was ist überhaupt diese ominöse Seele?

Eine weitere wichtige Frage, ist die nach dem freien Willen. Bis heute gibt es keine Übereinkunft über dessen Existenz. Unbestritten ist, dass sich der Wille frei anfühlt, das heißt aber nicht, dass er’s auch ist. Ich benutze hierfür immer gerne die Analogie vom Autofahren, man kann es anwenden ohne verstehen zu müssen was eigentlich passiert. Angenommen, es gibt die Seele und den Willen, wo befinden sie sich? Ist es naiv zu denken, dass alles einem Organ zuzuordnen ist und ist der Mensch doch mehr als eine biologische Maschine? Zumindest heute kann man es nicht beantworten. Doch falls der Mensch wirklich nur eine biologische Maschine ist, ist es wahrscheinlich, dass der Mensch diese auch nachbauen kann. Natürlich gefällt dieser Gedanke keinem, diese Reduzierung auf ein Klumpen von Materie ist viel zu unromantisch, aber das ist kein hilfreiches Argument.

Heute kann ich nur Fragen stellen. Antworten habe ich keine, in keine Richtung …

To be continued.

Generation Angst?

17. März 2010

Angst Haben gehört zum Menschen dazu. Kein Mensch ohne Angst. Das kann etwas gutes sein, kann einen Menschen aber auch brechen.  Es ist erstaunlich wie  Menschen Ängste ausblenden können. Die Fähigkeit der Verdrängung ist sehr stark ausgerpägt. Aber wie bei jeder guten Medallie kann das auch genau umgekehrt sein. Da können Ängste vor vermeintlichen kleinen Dinge einen vollkommen paralysieren.

Menschen fürchten sich grundsätzlich vor irgendetwas. Wird diese Furcht dann entschärft, fürchtet man sich vor etwas anderem, auch wenn das dahinter stehende Übel zahnlos ist. Diesen Effekt nenne ich Problem-Stacking, den ich irgendwann noch genauer erklären wollte. In diesem Artikel jedoch, soll es viel mehr um einen Blick auf Gesellschaft gehen und die momentan sehr viele Ängste eint.

Früher war es einfach.  Da gabs Ost und West und beide hatten voreinander Angst, das war das beherrschende Thema. Diese Volksangst trieb zwar wilde Blüten, hatte aber einen sehr großen Vorteil, sie war recht abstrakt und größtenteils entfernt vom Alltag. Daher war es dem Bürger relativ leicht diese Angst auch auszublenden. Natürlich war sie dann und wann präsenter, aber allgemein konnte man damit leben. Dann kam es zur Wende und verschwand die Angst vorm Ostblock ins Nirgendwo. Eigentlich eine wünschenswerte Entwicklung, die aber aus meiner Perspektive neben dem politischen etc auch  andere weitreichende Folgen mit sich zog. Folgen, die mit der eigentlichen Wende überhaupt nichts zu tun hatten sondern nur damit, dass eine allgegenwärtige Angst verschwand.

In unseren Breitengraden geht es den Menschen viel besser als je zuvor. Aber wo man hinguckt, anscheinend nur Krise! BSE, Vogel-, Schweine-, Was-weiß-ich-Pest. Wahnsinns-Sommer, Stürmischer Hebst, Schlimmster Winter. Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Krise, Krise, Krise. Entweder man hat Angst davor seinen Job zu verlieren, oder  – wenn man keinen hat – jemals einen zu bekommen. Und dann noch die “bösen” Islamisten, vor denen kann man ja auch nur Angst haben. Oder Schüler die in der Schule Amok laufen. Alle haben Angst vor dem Terror. Achja, unseren Planet Erde kann man sowieso in die Tonne schmeißen, da ist nichts mehr zu machen.

Aber so viel Terror, wie dessen Gegenwärtigkeit in den Köpfen der Menschen, gibt es doch gar nicht. Nochmal der Hinweis, dass ich über unsere Breitengrade spreche, es gibt auch andere Flecken auf dieser Welt – leider. Aber letzten Endes, machen wir uns viel zu viele Sorgen. Das soll kein Aufruf zur Verdrängung sein, aber man darf auch nicht alles übertreiben. Das soll ein Aufruf zur Entspannung sein.

Die Angst ist unteranderem so groß geworden, dass der Bürger sogar dafür bereit ist seine Freiheiten einzuschränken. Wenn man heutzutage Fliegen möchte, gleicht der Einstieg einer Schleuse von Fort Knox. Man muss seine Getränke abgeben und darf keine Scheren mitnehmen – Hallo? Aber es ist ja für die Sicherheit. Dann gibt es diese bösen Killerspieler, entwickelt vom Teufel persönlich und mit nur einem Ziel, Amoker zu erzeugen. Mit 16 Jahren kriegen die Leute Depressionen, weil sie nicht wissen was mit Ihnen in der Zukunft wird und ob sie jemals einen Job finden werden. Nochmal, Hallo? Was ist los mit dieser Gesellschaft.

Den Medien für ihre Sensationsgeilheit die Schuld zuzuschieben wäre aber auch zu einfach. Dadurch wird  der Trend zwar fortgeführt, aber Medien sind ja im übertragenen Sinne auch nur eine Form des Mindshare einer Gesellschaft. Ich kann es mir nur damit erklären, dass wir keinen Ostblock mehr haben, keinen großen Gegner,  keine große Quelle der Angst. Und wie der Mensch nunmal ist, sucht er sich die nächsten, kleineren Ängste aus. Weil diese Ängste aber näher am Leben des Einzelnen liegen, wirken sie entsprechend intensiver und schaffen es dann doch eine ganze Gesellschaft zu paralysieren.

Terroristen gibt es, der Sommer ist warm, der Winter ist kalt, Wirtschaften schwächeln, Autos crashen. Aber auch wenn man all das in Relation setzt, uns geht es gut! Genießt es.

In dem Sinne, nach dem Winter kommt der Frühling, la vita è bella
Pseudophilosoph

Gott, Allah, Buddha oder Vishnu und viele weitere Namen hat er, sie, es? Kaum ein anderes Theme polarisiert so sehr, hat zu so vielen Kriegen geführt. Religion und Kirche, darüber möchte ich heute schreiben. Auch wenn dieses Thema so komplex und so viele Facetten hat, dass man sie gar nicht alle abdecken kann. Mein Bild in diesen Dingen hat sich mit der Zeit entwickelt und ist mittlerweile sehr gefestigt, trotzdem weiß ich nicht ob es mir gelingt, das so aufzuschreiben, dass man auch versteht, was ich meine.

In unseren Breitengraden gehört die Gottesehrfurcht zu einer aussterbenden Art. “Gott, gibt es nicht, ich spar mir lieber die Kirchensteuer.” hört man die meisten Leute sagen und die Kirche gehört abgeschafft. Aber ich finde, diese Frage kann man nicht mit ja und nein beantworten, man muss viel differnzierter antworten und man muss sich, wenn man sich mit diesem Thema beschäfftigt auch von festgesetzen Bildern und Phrasen trennen und das Ganze offener analysieren. Wie gesagt, Gott ist polarisierend.

Was meine ich mit Gott? Welchen Gott meine ich? Gibt es nur einen wahren Gott? Diese Fragen werde ich im Laufe dieses Textes versuchen zu erklären. Vorerst möchte ich aber eine Metapher einführen, die ich für diese Erklärung häufiger brauchen werden. Ich hatte schon ein Beitrag über Modelle und Abstraktion geschrieben, auch das ist für dieses Thema von großer Bedeutung. Abstraktion erkläre ich am liebsten mit dem Auto. Die meisten Menschen in Deutschland können ein Auto fahren, aber deutlich weniger können einem erklären wie ein Auto funktioniert oder gar eines bauen. Zum Glück ist das aber auch gar nicht nötig um es zu fahren, man abstrahiert so lange von der tatsächlichen Physik weg, bis schließlich der Fahrer nur noch ein Lenkrad in der Hand und zwei Pedale unter den Füßen hat. Abstraktion und das Aufbauen auf Bestehendem ist sehr wichtig um weiter zu kommen. Würden wir jeden Tag das Rad neuerfinden oder den Satz des Pythagoras wiederentdecken, wären wir nicht da wo wir heute sind. Folglich müssen wir gewisse Dinge hinnehmen, ohne sie zu verstehen.

Zurück zum Thema: Fast alle Ausübungen und Diskussion rund um Gott, Götter oder Religionen finden auf der Ebene des Autofahrens also auf einer abstrahierten Ebene statt. Im Abendland ist unser Gott unter der Motorhaube und in einem japanischem Auto ist es Buddha oder ein Shinto.

Also was ist Gott jetzt eigentlich? Gott ist keine Person und Gott ist auch keine Macht. Auf der Motorenebene ist Gott all das was wir nicht wissen, also ein Platzhalter für Unwissen, das Ende des Denkens – im positiven Sinne. Alles was wir nicht beantworten können muss mit im Zusammenhang mit Gott stehen. Eine brennende Frage, auf die bis heute keiner eine Antwort hat, ist die Entstehung der Welt und des Universums. Wir wissen etwas über eine Ursuppe und vielleicht noch ein bisschen davor, aber dahinter stellen wir dann immer eine Macht, einen Gott. Warum tun wir das? Weil wir es nicht besser wissen, vielleicht gibt es eine Macht, die aber im Grunde ein physikalisches Gesetz ist, dass wir erstens nicht kennen und dass wir uns zweitens nicht vorstellen können. Kannst Du dir vorstellen, dass der Raum im All gekrümmt sein soll? Aber es gibt Dinge, die Menschen nicht fassen können.

Wir wissen einiges, vieles nicht, und alles zusammen ist die Natur, und damit ist auch Gott ein Teil der Natur. Den Umgang mit dem Unwissen in einer Gesellschaft nennt man Religion. Das erklärt auch warum es so viele Götter gibt. Die Menschen neigen dazu alles so gestalten, damit sie es verstehen, im Fall von Gott tritt dies durch vielfache Personifizierung statt. Und weil mehrere Gesellschaften parallel zu einander entstanden sind, sind es auch ihre Götter und Religionen. Gott ist also ein – wichtiger – Teil einer Gesellschaft. Und so gesehen gibt es Gott auf der Fahrerebene im herkömmlichen Sinne. Gott ist ein Bild für ein Verhalten, eine Gesellschaftsstruktur. Gott ist ein Teil einer Gesellschaft, so wie eine Sprache, so wie seine typische Architektur und so wie die Küche. Und die Institution, die sich damit beschäfftigt nennt man Kirche.

Aber Gott ist mittlerweile viel mehr als eine alleinige Personifizierung eines Schöpfers. Er hat sich mit der Zeit zu einer Authorität entwickelt und hat dadurch Macht über Menschen bekommen.  Gesellschaftliche Normen und Regeln entwickelten sich als natürliche Notwendigkeit um die Menschheit zu schützen.  Werte wie die lebenslange Ehe und andere nicht zu beneiden waren notwendig um – biologisch gesprochen – die Vermehrung und Versorgung zu garantieren und das miteinander aller Gesellschaftsmitglieder zu verbessern. Diese Ideen entwickelten sich und um sie quasi unumstößlich zu machen wurden sie durch Menschen(!) in die Hand Gottes gelegt. Gott, der als menschliches Konstrukt entstanden ist um das Unwissen zu erklären, bekam somit eine weitere Rolle. Dadurch, dass diese Regeln scheinbar von diesem Überwesen bestimmt sind, ist jede Hinterfragung unnötig . Dies führt zu einer Selbstentmündigung, die Regeln stehen fest, sind gottgegeben und man muss sie nicht hinterfragen. Das ist aber nicht unbedingt etwas Negatives, durch diese Projektion der Regeln in Gott werden sie zu einer Art Naturgesetz, dass zu mehr Harmonie innerhalb der Gesellschaft führt. Die Personifizierung verselbstständigt sich also, das Konstruckt wird so groß und komplex, der Gott wie wir ihn heute kennen entsteht. Angefangen als Platzhalter für Unwissen ist Gott also ein Platzhalter für Normen und Regeln geworden. Ablesen lässt diese Entwicklung an der Geschichte um Moses, der die Tafel mit den 10 Geboten von einem brennenden Busch dikitiert bekommt.

Ein kleiner Einschub um die Erklärungen mit unserer heutigen Zeit in Einklang zu bringen und die kritischen Leser nicht schon zu verlieren. Durch die Wissenschaft erfahren die Menschen immer mehr. Gleichzeitig haben sich unsere gesellschaftlichen Systeme so entwickelt, dass z.B. Alleinerziehene Mütter nicht mehr hilflos sind. Das bedeutet, dass das Unwissen sinkt und nicht mehr alle ursprünglichen gesellschaftlichen Reglungen notwendig sind um den Erhalt der Menschheit zu gewährleisten. Und das wiederum hat zur Folge, dass die Bedeutung von Gott sinkt. Man könnte also behaupten, dass Gott, der Platzhalter, durch einen neuen Platzhalter, die Wissenschaft ersetzt wird. Wobei man darüber streiten kann ob die Wissenschaft ein Platzhalter oder ein Platzfüller ist.

Bis zu diesem Punkte habe ich die Entstehung von Gott, wie ich sie verstanden habe,  erklärt. Wenn wir uns an mein Bild des Auto erinnern, war das also die Anleitung zum Motorbau. Wie ein Mechaniker einen Motor baut, haben die Menschen im Größeren einen Gott gebaut. Wichtig ist aber, dass dies nicht direkt und absichtlich geschehen ist. Es gab keinen Menschen der entschieden hat, jetzt bauen wir einen Gott. Das war ein langer Prozess, der nicht erst mit Jahwe oder sonst wem angefangen hat. Auch schon in der Steinzeit glaubten die Menschen an Geister und ähnliches. Der Mensch verlangt nach Antworten und diesen wurden – werden -  unbewusst und bewusst im Glauben gesucht.

Ein wichtigen Punkt möchte ich nochmal explizit festhalten: Aus meiner Sicht ist der Gott, die Götter über die wir sprechen und an die wir glauben ein rein menschliches Konstrukt. Ob es tatsächlich eine höhere Macht gibt oder nicht kann keiner beweisen oder widerlegen. Aber nochmal, das spielt keine Rolle. Der Gott mit dem wir uns beschäfftigen ist ein Bild, ein Konstrukt. Dieses Konstrukt hat aber über die Zeit hinweg ein Eigenleben entwickelt und ist dadurch zu einer Macht geworden. Die Menschen, die an Gott glauben, glauben an dieses Konstrukt ohne sich dessen bewusst zu sein. Aus einer Idee ist eine weltüberspannende Macht geworden. Dabei ist es auch gleichgültig ob hinter diesem Konstrukt eine tatsächliche Macht gibt, da die Idee eines Gottes praktisch gleichwertig mit dessen eigentlicher Existenz ist.  Im Zweifel gibt es eine höhere Macht:  die Natur.  Eine höhere Macht muss ja kein Wesen sein, auch wenn der Mensch sich das so lieber vorstellt.

Wenn man über Gott spricht, meint man aber in den meisten Fällen nicht das Gesellschaftskonstrukt, den Motor, sondern das Autofahren. Dieses Konstrukt oder Idee hat sich also so weit verselbstständigt, dass man es als Person bzw. Macht wahrnimmt. Deswegen möchte ich auch noch über das Autofahren sprechen, über Gott als Macht, über das Beten, über die Angst vor dieser Macht, über die Entwicklung der Kirche und die riesige Rolle Gottes in unseren Gesellschaften.

Jenes, das Leben nach dem Tod und andere Themen in diesem Themenkomplex werde ich bei Zeiten in einem Teil 2 erörtern.

Windmühlen

10. November 2009

Neulich bin ich auf eine bewegende Geschichte gestoßen. William Kamkwamba baute mit 14 Jahren eine Windmühle aus Schrottteilen, um damit 2 Lampen und ein Radio in seinem Haus in Malawi zu betreiben.

Wegen einer Hungersnot konnte seine Familie die Schulgebühren nicht mehr aufbringen, woraufhin William die Schule verlassen musste. Er beschloss sich Bücher in der lokalen Bücherei auszuleihen und fand ein Buch über Physik. Außerdem sah er ein Bild von einer Windmühle und war sofort Feuer und Flamme. Da sein Englisch nicht gut war, konzentrierte er sich auf die Schaubilder und begann in Eigenregie eine Windmühle zu bauen. Dazu baute er einen Lichtschalter aus Nägeln und Draht. Alles basierend auf diesen Abbildungen, ohne eine Wort der Beschreibung zu verstehen.

In Deutschland hat jeder Schüler so ein Schaubild gesehen, wahrscheinlich wurde es ihm sogar erklärt. Aber die meisten langweilt sowas nur.  Dann kommt dieser William und baut das Ding einfach nach. Was mich an dieser Geschichte so rührt ist die Symbolkraft dahinter und ein Musterbeispiel dafür, wie wichtig Bildung ist. Die westliche Welt muss unbedingt den Armen damit helfen, sich selber zu helfen. Stellt den Leuten Bücher oder besser, das Internet hin und dann ist so viel möglich. Dadurch bekommt eine Lehmhütte auf einmal Licht.

Wenn ich Menschen wie Wolfgang Schäuble oder Rupert Murdoch in Interviews sehe oder lese, bin ich immer wieder von neuem beeindruckt. Das rührt von der gewissen Ruhe und Übersicht, die sie ausstrahlen. Sie haben auf alles eine Antwort, sind redegewandt und lassen sich einfach nicht provozieren. Das sind Menschen, denen ich gerne zuhöre. Aber eins eint die beiden Angesprochnen. Sie sind alt.

Das traurige ist, dass solche, ansich sehr wiesen Menschen, irgendwann nicht mehr zu der Zeit passen. Irgendwann hat man den Punkt erreicht, wo man den weiteren Fortschritt nicht mehr verfolgen oder verstehen kann. Und obwohl diese Entwicklung bei allen Menschen offensichtlich ist, überrascht mich das immer wieder. Ich bin sogar enttäuscht, weil ich vieles was sie sagen sehr wertvoll finde.

Das Internet hat einen Strich zwischen die Generationen  gezogen, die einen verstehen den Fortschritt, die anderen eben nicht. Und dazu gehören auch meine Protagonisten, Schäuble und Murdoch. Beide haben eine immense Abgeklärheit in ihrem jeweiligen Sektor, aber das Internet haben sie trotzdem nicht verstanden. Schäuble hat das als Innenminister unter Beweis gestellt und Murdoch unter anderem in einem Interview, in dem er erklärte sich vorstellen zu können, Google von seinen Webseiten auszusperren.

Aber anscheinend gehört es zur Menschheit dazu. Helden werden alt und ersetzt. Man wird das nicht ändern können, auch wenn ich es viel schöner fände jeden im Fortschritt mitzunehmen. Man muss schließlich Träume haben.

Max Planck sagte treffend:

Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, daß ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, daß ihre Gegner allmählich aussterben und daß die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut geworden ist.

Der Wert der Erfahrung

20. Juli 2009

Als Wirtschaftsminister zu Guttenberg nominiert wurde war das Raunen groß. Wie kann man einen so unerfahrenen, jungen Mann in ein so hohes Amt heben? Aber was heißt bzw. was ist das überhaupt – Erfahrung?

Erfahrung entsteht dann, wenn man bestimmte Situationen wiederholt, immer etwas variiert, erlebt und anhand dieses Wissens Schlüsse auf Ausgänge ähnlicher, noch kommender Situationen ziehen kann.  Das gilt beim Autofahren, aber auch bei vielen anderen Dingen im Leben. Ich hatte in einem Eintrag über die Entwicklung von Gedanken gesprochen. Diese Entwicklung hat sehr viel mit Erfahrung zu tun. Sie ist sozusagen der Grundmechanismus der Erfahrung überhaupt möglich macht. Ich gehe über die Straße, auf einmal kommt ein Auto von links. Beim nächsten mal gucke ich nach links bevor ich die Straße überquere und plötzlich, von rechts … Meine Erfahrung, was das Straßenüberqueren betrifft, wächst, jede Situation wird mit eingebaut.

Erfahrung ist also die Summe von erlernten Mustern in der eigenen Umwelt, je größer die Anzahl der einzelnen Situationen desto größer wird die Erfahrung. Das eigene Wissen ist auch Teil der eigenen Erfahrung und damit komm ich zu einem weiteren wichtigen Punkt. Würden wir alle, alles neu erfahren müssen, würde jeder Mensch immer von Null anfangen und das Rad würde täglich neu erfunden werden. Um dem entgegen zu wirken hat der Mensch ein System entwickelt um das Aneignen von Erfahrung zu beschleunigen. Dieses System heißt Bildung. Alles was man in der Schule, der Universität oder  auch einer Dokumentation im Fernsehen etc. lernt ist eingedampfte Erfahrung anderer. Wir assimilieren diese Erfahrung um unseren eigenen Kenntnisstand bestmöglich zu erweitern. Das ist auch der einzige Weg wie die menschliche Zivilisation überhaupt so weit kommen konnte. Angefangen von den Erfahrung der Älteren, im alten Ägypten und noch früher, über die Saat der Felder bis hin zur heutiger Zeit, wo jeder vernünftige Mensch verstanden haben sollte, dass so was wie im Dritten Reich gar keine Gute Idee war.

Erfahrung hat viel damit zu tun, hinzufallen und dann wieder aufzustehen. Also aus Fehlern zu lernen. Lernen ist eigentlich ein kontinuierliches Hinfallen und wieder Aufstehen. Aber wie nichts im Leben, ist auch das Thema Erfahrung nicht so simpel, so schwarz und weiß, wie es idealerweise sein sollte. Wäre Erfahrung nur so, wie ich es beschrieben habe, wären wir als Menschen deutlich weiter, aber wir sind Menschen. Und Menschen fallen nicht nur einmal wegen dem gleichen Grund, sie fallen auch manchmal sehr viel öfter über den gleichen Stein. Sie sind nicht bereit zu lernen oder erkennen die Ursache des Problems einfach nicht.

Erfahrung ist nicht nur positiv. Weil man viel erfahren hat, heißt das noch lange nicht, dass man daraus gelernt hat. In einigen Diskussionen mit Älteren kam öfter das Argument: “Ich bin schon so und so alt und dass musst du erst selber erfahren.” Sie nehmen ihre eigene Erfahrung als Autorität. Das ist in mindestens so vielen Fällen nicht gültig, wie es gültig ist. Trägheit in der Meinung und viele anderen Faktoren können das rein mechanische Lernen aus Fehlern beeinflussen. Oder anders gesagt, man kann, wegen seiner vorheriger Prägung gewisse Dinge nur in einer bestimmten Art und Weise deuten. Das hat zur Folge, dass man nicht neues entdeckt, sondern neues als vermeintlich altes deutet. Das muss natürlich nicht immer gelten, aber die Geschichte hat gezeigt, dass es schon oft genug gegolten hat. Immer wiederholende Kriege, kritikfeste Meinungen und vieles mehr  sind Zeugen von verfehlter Erfahrung.

Ich will Ältere nicht verurteilen, sie sind einfach die Verkörperung von viel bzw. mehr Erfahrung und zeigen gleichzeitig deren Wert. Dieser Wert kann hoch und niedrig sein. Abgesehen davon handeln Jüngere jetzt und in den kommenden Jahren auch nicht anders. Es ist einfach eine Feststellung über den Menschen. Und wie mein, doch weiser, Großvater einmal gesagt hat: “Wo Menschen sind, da menschelt es.”

Man sollte also seine eigene Erfahrung und die, die man in Form von Bildung erwirbt auch mal aus anderen Perspektiven betrachten und versuchen kritisch und neu zu bewerten. Man darf nicht neues Wissen immer mit altem bewerten, sondern man sollte sein gesamtes Bild regelmäßig auf den Prüfstand setzen. Wenn man sich dann verbessert hat man Grund zur Freude, weil man ein kleines Stück mehr erleuchtet ist. Es ist keine Schande seine Meinung zu ändern.

Aber auch dieser Rat ist leider nur idealistisch, meine Erfahrung hat mir beigebracht mit Fehlern zu rechnen. Aber vielleicht hilft es ja schon sich dessen etwas bewusster zu sein …

Das Wahlgeheimnis ist ein sehr wichtiger Bestandteil unserer heutigen Demokratie. Es schützt den Wähler vor Diskrimierung und vereinfacht dadurch ohne äußerlichen Zwang wählen zu können. Dieses wichtiges Recht ist nicht in allen Ländern verfügbar und man kann das Glück, dass wir es haben, gar nicht hoch genug bewerten.

In Gesprächen über Politik wird häufig von diesem Recht Gebrauch gemacht, was ich  aber dennoch nicht immer verstehe. Ich möchte niemand dazu drängen seine Meinung offenkundig zu verbreiten, ich habe sowieso in keinster Weise das Recht so etwas zu fordern. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass viele, obwohl sie offenherzig über Politik diskutieren von diesem Recht Gebrauch machen, einfach nur deswegen weil es dieses Recht gibt. Das ist mir in mehreren Gesprächen aufgefallen. Natürlich, vielleicht möchten bestimmte Menschen sich einfach nicht zu ihrer Wahl bekennen, aber wenn ich dann sehe wie offen über einzelne politische Punkte gesprochen wird, irritiert mich das doch.

Wieso fällt es vielen so einfach über einzelne Themen zu sprechen, die aber gleichzeitig nicht gewillt sind darüber zu sprechen welche Partei die Summe dieser Punkte am besten wiederspiegelt? Werden Parteien überhaupt wegen der größten Übereinstimmung der verschienden Themen gewählt? Oder sind es Gesichter, Menschen oder nur einzelne, “Aufhänger”-Themen die letztendlich den Ausschlag für die Wahl geben? Und wollen die Leute deshalb nicht darüber reden? Zu einer Antwort bzw. meiner Meinung  bei dieser Frage bin ich noch nicht gekommen. Vielleicht ist meine Wahrnehmung auch einfach nur falsch. Daher bleibt es nur ein Gedanke …

Revision

27. Mai 2009

Als ich anfing zu bloggen, wusste ich nicht, was ich bloggen soll. Also fing ich mit diesem typischen Link- und Bildergeposte an, hauptsache irgendwas steht da. Damals war ich auch noch auf einer Bloggerplattform und laß andere Blogs, weniger weil sie mich interessierten, sondern viel mehr, damit die anderen auch meinen Blog besuchten. Ich bloggte im Grunde nur des Bloggens wegen, was falsch ist. Aus technischen Gründen bin ich dann auf meinen Webserver umgezogen und damit fielen auch die Leser weg, gleich gefolgt von meiner Motivation.

Seit kurzem blogge ich wieder, ohne Leser und ohne das Kopieren von irgendwelchen Links und Bildern aus anderen Blogs. Ich blogge für mich, um meine Gedanken festzuhalten und aufeinmal merke ich, dass Bloggen Zeit braucht. Aber es macht mir Spaß.

Ich habe viele Entwürfe von Blogbeiträgen, die noch nicht fertig sind. Ich stecke viel mehr Gedanken in jeden Beitrag. Das heißt nicht, dass sie besser geschrieben sind, mein literarisches Talent ist leider sehr begrenzt. Aber die Ideen dahinter sind besser geworden, zu mindest nach meinem Verständnis.

Entwicklung ist momentan sowieso ein heißes Thema für mich. Viele meiner Ideen und ich selber auch, haben sich in letzter Zeit sehr weiterentwickelt und das zu sehen, finde ich sehr spannend. Das spiegelt zum Beispiel mein Artikel zum Darwinismus der Gedanken wieder oder den Artikel, den ich vor einer halben Stunde angefangen habe zu schreiben, heute aber nicht abschließen kann.

Mein pseudophilosophisches Dasein ist der Versuch die Welt zu verstehen. Gereifte Gedanken und Ideen halte ich dann  in meinem Logbuch fest. Mir ist sehrwohl bewusst, dass ich dabei nichts Neues aufdecke, doch reicht mir die eigene Entdeckung schon als Genugtuung.

Am Anfang ist der Gedanke. Der kann aus einem Geistesblitz, basierend auf eigenen Beobachtungen entstehen, aber auch aus der Vordenkarbeit anderer. Mich faszinieren kluge Ideen, die kurz, prägnant Dinge auf den Punkt bringen und dabei ein durchdachtes Fundament aufzeigen können. Ich rede nicht von Binsenwahrheiten und Stammtischparolen, sondern von intelligenten Aussagen und Niederschriften, die es schaffen das eigene Denken nachhaltig zu beeinflussen. Die eigene Arbeit besteht dann darin, solche Perlen in das eigene Gedankenkonstrukt einzuarbeiten.

Und schon sind wir bei der Evolution der Gedanken. Ein Mensch alleine kann nicht im entferntesten das fassen, wie es dem Kollektiv möglich ist. Abgesehen davon, dass die Menschheit im Allgemeinen auch sehr viel nicht fassen kann, kann man seine Verständnis nur mit anderen ausbauen. Das merke ich am häufigsten in den Momenten, bei denen ich Freunden von meinen Ideen erzähle. Es reicht schon eine Frage, die man nicht beantworten kann und schon muss man sein Modell ändern oder zu mindest anpassen. Noch besser sind Ergänzungen, die sind aber meist erst nach längerer Diskussion möglich. Das liegt daran, dass man dazu auf einen gleichen Verständnisstand kommen muss. Und das wiederum, hat weniger mit Intellekt als viel mehr mit Interesse zu tun. Trotzdem hat jedes, noch so oberflächliches Gespräch, Potential sehr wertvoll für einen Pseudophilosophen zu werden. Manchmal reicht sogar eine BILD Schlagzeile oder ein Werbeplakat. Kurz gesagt, die gesamte Umwelt.

Gute Gedanken entstehen erst durch die Aggregation von vielen Gedanken. Gute werden weiterentwickelt, schlechte fallen raus, das ist der Darwinismus der Gedanken, wie ich ihn verstehe.

Zum Abschluss, eine kleine Geschichte:

Mitten auf einem Jahrmarkt steht ein total abgedunkelter Raum. Keiner weiß, was sich in diesem Raum befindet. Also gehen drei Besucher einzeln, nacheinander in den Raum und versuchen das Geheimnis des Raums zu erfühlen. Der Erste berichtet von einer meterhohen Säule. Der Nächste kommt raus und spricht von einer gewölbten Decke. Verwirrt kommt der Dritte aus dem Raum, er habe einen dicken Gartenschlauch, der in Luft hing, erfühlt. Sie fangen an zu kombinieren und dann lösen sie das Rätsel. Der Schlauch war ein Rüssel, die Säule ein Bein und die Decke der Bauch. So finden sie heraus, dass sich eine Elefant in dem Raum befindet.

Nochmal: Für sich genommen, wäre keiner der Kandidaten auf diese Lösung gekommen. Natürlich ist diese Anekdote nicht wasserdicht, aber sie erklärt ganz gut, was ich meine. Am Rande sei erwähnt, dass mir diese Anekdote von einem Freund erzählt worden ist und wie man sieht, ich habe sie schon eingebaut.

… und wir sind bescheiden. Ist das eine besondere Tugend? Ich beantworte diese Frage mit jain. Zufrieden sein, mit dem was man hat, das ist gut und wichtig. Wobei das einen auch nicht davon abhalten sollte nach vorn zu kommen. Wenn man sich dann aber etwas erarbeitet hat, muss man dann immernoch bescheiden sein?

In Amerika zeigt man was man hat und die, die es geschafft haben werden bewundert. Vom Tellerwäscher zum Millionär, das ist der American Dream. In Deutschland ist das anders. An die Stelle von Bewunderung, tritt Neid, oder zu mindest etwas ähnliches. Ich sage nicht, dass man Reiche bewundern muss. Finanzieller Wohlstand ist nicht das einzigste Ziel, dem man nachstreben kann. Aber wenn man es erfolgreich in die Position geschafft hat, sollte man nicht immer abgestempelt werden.

Ich sage das, ohne vermögend zu sein. Aber in dem Aspekt finde ich den amerikanischen Weg einfach besser.