Gott, Allah, Buddha oder Vishnu und viele weitere Namen hat er, sie, es? Kaum ein anderes Theme polarisiert so sehr, hat zu so vielen Kriegen geführt. Religion und Kirche, darüber möchte ich heute schreiben. Auch wenn dieses Thema so komplex und so viele Facetten hat, dass man sie gar nicht alle abdecken kann. Mein Bild in diesen Dingen hat sich mit der Zeit entwickelt und ist mittlerweile sehr gefestigt, trotzdem weiß ich nicht ob es mir gelingt, das so aufzuschreiben, dass man auch versteht, was ich meine.

In unseren Breitengraden gehört die Gottesehrfurcht zu einer aussterbenden Art. “Gott, gibt es nicht, ich spar mir lieber die Kirchensteuer.” hört man die meisten Leute sagen und die Kirche gehört abgeschafft. Aber ich finde, diese Frage kann man nicht mit ja und nein beantworten, man muss viel differnzierter antworten und man muss sich, wenn man sich mit diesem Thema beschäfftigt auch von festgesetzen Bildern und Phrasen trennen und das Ganze offener analysieren. Wie gesagt, Gott ist polarisierend.

Was meine ich mit Gott? Welchen Gott meine ich? Gibt es nur einen wahren Gott? Diese Fragen werde ich im Laufe dieses Textes versuchen zu erklären. Vorerst möchte ich aber eine Metapher einführen, die ich für diese Erklärung häufiger brauchen werden. Ich hatte schon ein Beitrag über Modelle und Abstraktion geschrieben, auch das ist für dieses Thema von großer Bedeutung. Abstraktion erkläre ich am liebsten mit dem Auto. Die meisten Menschen in Deutschland können ein Auto fahren, aber deutlich weniger können einem erklären wie ein Auto funktioniert oder gar eines bauen. Zum Glück ist das aber auch gar nicht nötig um es zu fahren, man abstrahiert so lange von der tatsächlichen Physik weg, bis schließlich der Fahrer nur noch ein Lenkrad in der Hand und zwei Pedale unter den Füßen hat. Abstraktion und das Aufbauen auf Bestehendem ist sehr wichtig um weiter zu kommen. Würden wir jeden Tag das Rad neuerfinden oder den Satz des Pythagoras wiederentdecken, wären wir nicht da wo wir heute sind. Folglich müssen wir gewisse Dinge hinnehmen, ohne sie zu verstehen.

Zurück zum Thema: Fast alle Ausübungen und Diskussion rund um Gott, Götter oder Religionen finden auf der Ebene des Autofahrens also auf einer abstrahierten Ebene statt. Im Abendland ist unser Gott unter der Motorhaube und in einem japanischem Auto ist es Buddha oder ein Shinto.

Also was ist Gott jetzt eigentlich? Gott ist keine Person und Gott ist auch keine Macht. Auf der Motorenebene ist Gott all das was wir nicht wissen, also ein Platzhalter für Unwissen, das Ende des Denkens – im positiven Sinne. Alles was wir nicht beantworten können muss mit im Zusammenhang mit Gott stehen. Eine brennende Frage, auf die bis heute keiner eine Antwort hat, ist die Entstehung der Welt und des Universums. Wir wissen etwas über eine Ursuppe und vielleicht noch ein bisschen davor, aber dahinter stellen wir dann immer eine Macht, einen Gott. Warum tun wir das? Weil wir es nicht besser wissen, vielleicht gibt es eine Macht, die aber im Grunde ein physikalisches Gesetz ist, dass wir erstens nicht kennen und dass wir uns zweitens nicht vorstellen können. Kannst Du dir vorstellen, dass der Raum im All gekrümmt sein soll? Aber es gibt Dinge, die Menschen nicht fassen können.

Wir wissen einiges, vieles nicht, und alles zusammen ist die Natur, und damit ist auch Gott ein Teil der Natur. Den Umgang mit dem Unwissen in einer Gesellschaft nennt man Religion. Das erklärt auch warum es so viele Götter gibt. Die Menschen neigen dazu alles so gestalten, damit sie es verstehen, im Fall von Gott tritt dies durch vielfache Personifizierung statt. Und weil mehrere Gesellschaften parallel zu einander entstanden sind, sind es auch ihre Götter und Religionen. Gott ist also ein – wichtiger – Teil einer Gesellschaft. Und so gesehen gibt es Gott auf der Fahrerebene im herkömmlichen Sinne. Gott ist ein Bild für ein Verhalten, eine Gesellschaftsstruktur. Gott ist ein Teil einer Gesellschaft, so wie eine Sprache, so wie seine typische Architektur und so wie die Küche. Und die Institution, die sich damit beschäfftigt nennt man Kirche.

Aber Gott ist mittlerweile viel mehr als eine alleinige Personifizierung eines Schöpfers. Er hat sich mit der Zeit zu einer Authorität entwickelt und hat dadurch Macht über Menschen bekommen.  Gesellschaftliche Normen und Regeln entwickelten sich als natürliche Notwendigkeit um die Menschheit zu schützen.  Werte wie die lebenslange Ehe und andere nicht zu beneiden waren notwendig um – biologisch gesprochen – die Vermehrung und Versorgung zu garantieren und das miteinander aller Gesellschaftsmitglieder zu verbessern. Diese Ideen entwickelten sich und um sie quasi unumstößlich zu machen wurden sie durch Menschen(!) in die Hand Gottes gelegt. Gott, der als menschliches Konstrukt entstanden ist um das Unwissen zu erklären, bekam somit eine weitere Rolle. Dadurch, dass diese Regeln scheinbar von diesem Überwesen bestimmt sind, ist jede Hinterfragung unnötig . Dies führt zu einer Selbstentmündigung, die Regeln stehen fest, sind gottgegeben und man muss sie nicht hinterfragen. Das ist aber nicht unbedingt etwas Negatives, durch diese Projektion der Regeln in Gott werden sie zu einer Art Naturgesetz, dass zu mehr Harmonie innerhalb der Gesellschaft führt. Die Personifizierung verselbstständigt sich also, das Konstruckt wird so groß und komplex, der Gott wie wir ihn heute kennen entsteht. Angefangen als Platzhalter für Unwissen ist Gott also ein Platzhalter für Normen und Regeln geworden. Ablesen lässt diese Entwicklung an der Geschichte um Moses, der die Tafel mit den 10 Geboten von einem brennenden Busch dikitiert bekommt.

Ein kleiner Einschub um die Erklärungen mit unserer heutigen Zeit in Einklang zu bringen und die kritischen Leser nicht schon zu verlieren. Durch die Wissenschaft erfahren die Menschen immer mehr. Gleichzeitig haben sich unsere gesellschaftlichen Systeme so entwickelt, dass z.B. Alleinerziehene Mütter nicht mehr hilflos sind. Das bedeutet, dass das Unwissen sinkt und nicht mehr alle ursprünglichen gesellschaftlichen Reglungen notwendig sind um den Erhalt der Menschheit zu gewährleisten. Und das wiederum hat zur Folge, dass die Bedeutung von Gott sinkt. Man könnte also behaupten, dass Gott, der Platzhalter, durch einen neuen Platzhalter, die Wissenschaft ersetzt wird. Wobei man darüber streiten kann ob die Wissenschaft ein Platzhalter oder ein Platzfüller ist.

Bis zu diesem Punkte habe ich die Entstehung von Gott, wie ich sie verstanden habe,  erklärt. Wenn wir uns an mein Bild des Auto erinnern, war das also die Anleitung zum Motorbau. Wie ein Mechaniker einen Motor baut, haben die Menschen im Größeren einen Gott gebaut. Wichtig ist aber, dass dies nicht direkt und absichtlich geschehen ist. Es gab keinen Menschen der entschieden hat, jetzt bauen wir einen Gott. Das war ein langer Prozess, der nicht erst mit Jahwe oder sonst wem angefangen hat. Auch schon in der Steinzeit glaubten die Menschen an Geister und ähnliches. Der Mensch verlangt nach Antworten und diesen wurden – werden -  unbewusst und bewusst im Glauben gesucht.

Ein wichtigen Punkt möchte ich nochmal explizit festhalten: Aus meiner Sicht ist der Gott, die Götter über die wir sprechen und an die wir glauben ein rein menschliches Konstrukt. Ob es tatsächlich eine höhere Macht gibt oder nicht kann keiner beweisen oder widerlegen. Aber nochmal, das spielt keine Rolle. Der Gott mit dem wir uns beschäfftigen ist ein Bild, ein Konstrukt. Dieses Konstrukt hat aber über die Zeit hinweg ein Eigenleben entwickelt und ist dadurch zu einer Macht geworden. Die Menschen, die an Gott glauben, glauben an dieses Konstrukt ohne sich dessen bewusst zu sein. Aus einer Idee ist eine weltüberspannende Macht geworden. Dabei ist es auch gleichgültig ob hinter diesem Konstrukt eine tatsächliche Macht gibt, da die Idee eines Gottes praktisch gleichwertig mit dessen eigentlicher Existenz ist.  Im Zweifel gibt es eine höhere Macht:  die Natur.  Eine höhere Macht muss ja kein Wesen sein, auch wenn der Mensch sich das so lieber vorstellt.

Wenn man über Gott spricht, meint man aber in den meisten Fällen nicht das Gesellschaftskonstrukt, den Motor, sondern das Autofahren. Dieses Konstrukt oder Idee hat sich also so weit verselbstständigt, dass man es als Person bzw. Macht wahrnimmt. Deswegen möchte ich auch noch über das Autofahren sprechen, über Gott als Macht, über das Beten, über die Angst vor dieser Macht, über die Entwicklung der Kirche und die riesige Rolle Gottes in unseren Gesellschaften.

Jenes, das Leben nach dem Tod und andere Themen in diesem Themenkomplex werde ich bei Zeiten in einem Teil 2 erörtern.

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