Generation Angst?

17. März 2010

Angst Haben gehört zum Menschen dazu. Kein Mensch ohne Angst. Das kann etwas gutes sein, kann einen Menschen aber auch brechen.  Es ist erstaunlich wie  Menschen Ängste ausblenden können. Die Fähigkeit der Verdrängung ist sehr stark ausgerpägt. Aber wie bei jeder guten Medallie kann das auch genau umgekehrt sein. Da können Ängste vor vermeintlichen kleinen Dinge einen vollkommen paralysieren.

Menschen fürchten sich grundsätzlich vor irgendetwas. Wird diese Furcht dann entschärft, fürchtet man sich vor etwas anderem, auch wenn das dahinter stehende Übel zahnlos ist. Diesen Effekt nenne ich Problem-Stacking, den ich irgendwann noch genauer erklären wollte. In diesem Artikel jedoch, soll es viel mehr um einen Blick auf Gesellschaft gehen und die momentan sehr viele Ängste eint.

Früher war es einfach.  Da gabs Ost und West und beide hatten voreinander Angst, das war das beherrschende Thema. Diese Volksangst trieb zwar wilde Blüten, hatte aber einen sehr großen Vorteil, sie war recht abstrakt und größtenteils entfernt vom Alltag. Daher war es dem Bürger relativ leicht diese Angst auch auszublenden. Natürlich war sie dann und wann präsenter, aber allgemein konnte man damit leben. Dann kam es zur Wende und verschwand die Angst vorm Ostblock ins Nirgendwo. Eigentlich eine wünschenswerte Entwicklung, die aber aus meiner Perspektive neben dem politischen etc auch  andere weitreichende Folgen mit sich zog. Folgen, die mit der eigentlichen Wende überhaupt nichts zu tun hatten sondern nur damit, dass eine allgegenwärtige Angst verschwand.

In unseren Breitengraden geht es den Menschen viel besser als je zuvor. Aber wo man hinguckt, anscheinend nur Krise! BSE, Vogel-, Schweine-, Was-weiß-ich-Pest. Wahnsinns-Sommer, Stürmischer Hebst, Schlimmster Winter. Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Krise, Krise, Krise. Entweder man hat Angst davor seinen Job zu verlieren, oder  – wenn man keinen hat – jemals einen zu bekommen. Und dann noch die “bösen” Islamisten, vor denen kann man ja auch nur Angst haben. Oder Schüler die in der Schule Amok laufen. Alle haben Angst vor dem Terror. Achja, unseren Planet Erde kann man sowieso in die Tonne schmeißen, da ist nichts mehr zu machen.

Aber so viel Terror, wie dessen Gegenwärtigkeit in den Köpfen der Menschen, gibt es doch gar nicht. Nochmal der Hinweis, dass ich über unsere Breitengrade spreche, es gibt auch andere Flecken auf dieser Welt – leider. Aber letzten Endes, machen wir uns viel zu viele Sorgen. Das soll kein Aufruf zur Verdrängung sein, aber man darf auch nicht alles übertreiben. Das soll ein Aufruf zur Entspannung sein.

Die Angst ist unteranderem so groß geworden, dass der Bürger sogar dafür bereit ist seine Freiheiten einzuschränken. Wenn man heutzutage Fliegen möchte, gleicht der Einstieg einer Schleuse von Fort Knox. Man muss seine Getränke abgeben und darf keine Scheren mitnehmen – Hallo? Aber es ist ja für die Sicherheit. Dann gibt es diese bösen Killerspieler, entwickelt vom Teufel persönlich und mit nur einem Ziel, Amoker zu erzeugen. Mit 16 Jahren kriegen die Leute Depressionen, weil sie nicht wissen was mit Ihnen in der Zukunft wird und ob sie jemals einen Job finden werden. Nochmal, Hallo? Was ist los mit dieser Gesellschaft.

Den Medien für ihre Sensationsgeilheit die Schuld zuzuschieben wäre aber auch zu einfach. Dadurch wird  der Trend zwar fortgeführt, aber Medien sind ja im übertragenen Sinne auch nur eine Form des Mindshare einer Gesellschaft. Ich kann es mir nur damit erklären, dass wir keinen Ostblock mehr haben, keinen großen Gegner,  keine große Quelle der Angst. Und wie der Mensch nunmal ist, sucht er sich die nächsten, kleineren Ängste aus. Weil diese Ängste aber näher am Leben des Einzelnen liegen, wirken sie entsprechend intensiver und schaffen es dann doch eine ganze Gesellschaft zu paralysieren.

Terroristen gibt es, der Sommer ist warm, der Winter ist kalt, Wirtschaften schwächeln, Autos crashen. Aber auch wenn man all das in Relation setzt, uns geht es gut! Genießt es.

In dem Sinne, nach dem Winter kommt der Frühling, la vita è bella
Pseudophilosoph

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